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Was verdienen die Mitarbeiter eines Scheichs? Vertrauliche Abrechnungen zeigen die Gehälter von Office Boy bis Personalchef


Scheich Hazza bin Zayed Al Nahyan (r.) mit dem mittlerweile verstorbenen japanischen Premierminister Shinzo Abe.

Scheich Hazza bin Zayed Al Nahyan (r.) mit dem mittlerweile verstorbenen japanischen Premierminister Shinzo Abe.

Emirates News Agency (WAM), dpa

  • Der Herrscherclan der Vereinigten Arabischen Emirate gilt als eine der reichsten Familien auf der Welt.
  • Business Insider liegen interne Dokumente vom Hof des Scheichs Hazza Bin Zayed Al Nahyan vor, dem ehemaligen Sicherheitsberater der Arabischen Emirate und jüngeren Bruder des Herrschers von Abu Dhabi.
  • Die Dokumente zeigen, wie schlecht der steinreiche Scheich teilweise seine zahlreichen Mitarbeiter bezahlt. Bemerkenswert: Am Hof gibt es einen Compliance-Katalog, der offenbar bereits zum Einsatz kam. Mitarbeiter erhoben Vorwürfe wegen sexueller Belästigung.

Sie gelten als eine der reichsten Familien der Welt: Die Bin Zayed Al Nahyans, Scheichs aus den Vereinigten Arabischen Emiraten und Herrscher über Abu Dhabi. Sie parken ihre Öl-Milliarden in prominenten Firmen, gerne auch in der Welt des Sports. Etwa im englischen Traditionsclub Manchester City, in den sie Milliarden Pfund hineingepumpt und den Verein mit dem vielen Geld zur Nummer eins der Premier League gemacht haben. Es war so viel Geld, dass selbst die Fifa im Jahr 2020 eingriff und den Club von der Teilnahme an der Champions League ausschloss.

So großzügig die Scheichs bei ihren Investitionen sind – ihre Mitarbeiter profitieren aber nur bedingt von diesem Reichtum. Business Insider liegen interne Dokumente aus dem Hofstaat von Hazza Bin Zayed Al Nahyan vor, dem jüngeren Bruder des Präsidenten der Arabischen Emirate und Herrschers von Abu-Dhabi. Bin Zayed Al Nahyan war früher Sicherheitsberater der Regierung der Emirate und ist stellvertretender Vorsitzender des Abu-Dhabi Executive Council, der lokalen Autorität, die Gesetze und Dekrete durchsetzt. Er sitzt also auf entscheidender Position im Machtapparat des Emirats.

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Der Scheich unterhält offenbar eine Zweiklassengesellschaft

Aus einer internen Lohnaufstellung aus dem Jahr 2021 geht hervor, dass der Fahrer 3000 Dirham verdient, umgerechnet rund 769 Euro pro Monat. Der „Office Boy“ bekommt monatlich 512 Euro (2000 Dirham), der Butler wiederum 1025 Euro (4000 Dirham). Der Scheich beschäftigt auch eine Tierhalterin, die 640 Euro pro Monat verdient (2500 Dirham), einen Masseur mit einem Monatseinkommen von 1281 Euro und auch einen Hygienebeauftragten, der 2050 Euro bekommt (8000 Dirham). Die Einkommenssteuer in den Emiraten zählt zu den niedrigsten auf der ganzen Welt, in Dubai oder Abu Dhabi beträgt sie beispielsweise null Prozent. Den Mitarbeitern bleibt somit sehr viel mehr Netto vom Brutto als in Deutschland.

Das durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen lag in den Emiraten laut der Weltbank im Jahr 2021 bei umgerechnet 41.667 Euro. Das entspricht einem Monatseinkommen von 3472,25 Euro im Monat.

Es gibt aber auch Angestellte des Scheichs, die deutlich besser verdienen. So bekommt etwa sein persönlicher Manager 15.368 Euro im Monat (60.000 Dirham), sein rechtlicher Berater 4866 Euro (19.000 Dirham), sein Finanzanalyst 3842 Euro (15.000 Dirham) und sein Personalmanager 5891 Euro (23.000 Dirham). Außerdem unterhält der Scheich einen kleinen Mitarbeiterstab für seine Villa in Dubai und ein sechsköpfiges Reiseteam samt Koch, Butler und Haushälterin.

Insgesamt gab der Scheich laut interner Gehaltsaufstellung aus dem Jahr 2021 insgesamt 175.809 Euro im Monat (686.617 Dirham) für die Saläre seiner Angestellten aus.

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Die Botschaft der Vereinigten Arabischen Emirate hat einen Fragenkatalog von Business Insider zu den genannten Gehältern unbeantwortet gelassen.

Am Hof gibt es einen recht modernen Compliance-Katalog

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Lohnt sich das?

Der Scheich hat für seinen Mitarbeiterstab einen Compliance-Katalog eingeführt, der recht modern ist. So ist etwa respektvolles Miteinander vorgeschrieben, Fehlverhalten gegenüber Kollegen werde nicht toleriert, steht in einem „Mitarbeiterhandbuch“, das uns vorliegt. Im Fall von sexueller Belästigung solle man die Fälle melden. In der Folge werde eine Untersuchung vorgenommen, die zu Konsequenzen für den Beschuldigten führen könne – bis hin zu seiner oder ihrer Entlassung.

Der interne Compliance-Katalog ist offenbar bereits zur Anwendung gekommen. Uns liegt die Beschwerde eines Mitarbeiters vor, der einem seiner männlichen Kollegen wiederholte sexuelle Belästigung vorwirft. Es geht konkret um drei Vorfälle, die der Mitarbeiter seinem Vorgesetzten schildert. Eine der Schilderungen ist schwerwiegend. Die Beschwerde löste tatsächlich einen Vorgang aus, zwei Zeugen wurden vernommen. Einer der Zeugen bestätigte weitestgehend die Vorwürfe. Das Opfer arbeitet noch heute am Hof des Scheichs.

Die Botschaft der Vereinigten Arabischen Emirate hat auch zu diesem Vorgang Fragen von Business Insider unbeantwortet gelassen.

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Author: Paul Garcia

Last Updated: 1699374003

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