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Wie kann ich Geld für Erdbeben in die Türkei und nach Syrien senden?


Wo das Erdbeben Städte und Regionen verwüstet hat, ist schnelle Hilfe nötig. Während Decken und Zelte, Wasserflaschen und Windeln eine Weile brauchen, bis sie von Deutschland aus in den Gebieten entlang der türkisch-syrischen Grenze landen, lässt sich ein Hilfsgut in Minutenschnelle verschiffen: Geld. Damit können Hilfsorganisationen, Familienmitglieder oder Freunde vor Ort im besten Fall genau das kaufen, was sie gerade brauchen. Schon außerhalb von Krisenzeiten senden Menschen, die hierzulande leben, viel Geld in andere Länder. Etwa 22 Milliarden Euro sind laut einer Schätzung der Weltbank vergangenes Jahr aus Deutschland ins Ausland geflossen.

Banken und Dienstleister verdienen je nach Land aber kräftig mit an den Überweisungen. Die Kosten für die Transfers seien in Deutschland besonders hoch, so die Weltbank. Allein im vergangenen Jahr fielen rund 1,4 Milliarden Euro an Gebühren an. Sie mindern den Wert des Geldes, das im Ausland ankommt und eigentlich helfen soll, im Schnitt um fast sieben Prozent. Jetzt, wo jeder Euro, jede türkische Lira, jedes syrische Pfund für die Menschen vor Ort zählt, rät Kerstin Föller von der Verbraucherzentrale Hamburg, die Gebühren und Kosten der Überweisungen und die Vor- und Nachteile verschiedener Zahlungsanbieter zu vergleichen.

Wie funktioniert die Auslandsüberweisung in die Türkei?

Wer Geld in die Türkei überweisen möchte, kann das in den meisten Fällen über seine Hausbank tun. Dazu braucht es lediglich die IBAN des Empfängers und die entsprechende BIC-Nummer der Bank. In der Regel ist das allerdings die teuerste und langsamste Option, erklärt Föller. Für Überweisungen innerhalb des Europäischen Zahlungsraums (SEPA) gelten dieselben Regeln wie im Inland. Wer innerhalb Deutschlands kostenlos überweisen kann, muss auch nach Frankreich Geld ohne Gebühr verschicken können. Weder die Türkei noch Syrien aber sind Teil von SEPA. Das könne "mitunter zu besonders hohen Gebühren führen", so die Verbraucherschützerin.

Je nach Bank können die Kosten stark schwanken. Sie hängen etwa vom Wechselkurs, der Sender- und Empfängerbank und deren Gebühren ab. Daher sollten Kunden das jeweilige Preis- und Leistungsverzeichnis aufmerksam lesen. Auf ihren Seiten listen die Banken zudem den tagesaktuellen Wechselkurs. Bei Sparkassen und Volksbanken kann die Gebühr je nach Filiale abweichen. In der Regel gilt bei Auslandsüberweisungen das Share-Prinzip, Sender und Empfänger teilen sich die Gebühren. Das sollten Kunden jedoch überprüfen, bevor sie das Geld überweisen. Die Regelung OUR bedeutet, dass der Sender allein die Kosten trägt. Und bei BEN geht die Überweisung zulasten des Empfängers. Eine SWIFT-Überweisung in die Türkei dauert in der Regel zwei bis sieben Tage, in seltenen Fällen über eine Woche. Beträge über 12.500 Euro müssen Kunden der Deutschen Bundesbank melden.

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Was kostet die Banküberweisung in die Türkei?

Wie teuer die Überweisung in die Türkei genau ist, hängt von vielen Faktoren ab, zuerst aber davon, bei welcher Bank man in Deutschland die Überweisung in Auftrag gibt. Bei der Deutschen Bank etwa steht der Wechselkurs zwar bei 20,14 türkische Lira für einen Euro. Überweist ein Kunde 100 Euro, kommen nach Abzug der Gebühren allerdings nur 1.406 Lira an, dazu dauert die Überweisung drei bis fünf Tage. Bei der größten deutschen Sparkasse in Hamburg (Haspa) kostet eine Überweisung pauschal 12,50 Euro. Hier lohnt es sich also, größere Beträge auf einmal zu überweisen. Schließlich fällt die Gebühr bei kleinen Beträgen immer wieder an. Bei 100 Euro bleiben nur noch 87,50 Euro übrig, was immerhin 1.762 Lira entspricht. Allerdings fallen für den Zahlungsempfänger in vielen Fällen auch Gebühren bei seiner lokalen Bank an.

Deswegen sagt die Verbraucherschützerin Föller: "Wer Geld in die Türkei überweisen möchte, sollte lieber eine türkische anstelle einer deutschen Bank nutzen." Die türkische Işbank etwa bietet Kundinnen und Kunden im Onlinebanking geringere Gebühren als deutsche Banken. Sie zahlen bis 500 Euro fünf Euro Gebühr, am Schalter sind es elf Euro.

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Funktionieren Banküberweisungen auch nach Syrien?

Während der Geldstrom über Banken in die Türkei normal, wenn auch zäh fließt, versiegt er auf dem Weg nach Syrien fast. Das Regime des Diktators Assad ist vom internationalen Finanzsystem weitgehend abgeschnitten. "Aufgrund der Sanktionen sind normale Banküberweisungen nach Syrien kaum möglich", sagt Kerstin Föller. Menschenrechtsorganisationen wie die Christian Solidarity International fordern deshalb, die Sanktionen zu lockern. Syrische Krankenhäuser etwa können Medikamente und Rollstühle nicht im Ausland kaufen und per Überweisung bezahlen. Die einzige Alternative: "Western Union funktioniert meistens, wenn man Geld aus Deutschland nach Syrien transferieren möchte", so die Verbraucherschützerin.

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Wann lohnt sich ein Geldtransfer mit Western Union oder Ria?

Der US-amerikanische Finanzdienstleister Western Union hat Filialen in fast allen Ländern der Erde. Im Vergleich zur Banküberweisung hat der Geldtransfer mit dem Unternehmen in der aktuellen Situation zwei Vorteile: Das Geld wird schneller übertragen und landet, wenn es ankommt, direkt bei den Menschen vor Ort. "Diese Menschen brauchen das Geld ja nicht auf dem Konto, sondern im besten Fall sofort Bargeld für das Nötigste wie Lebensmittel", sagt die Verbraucherschützerin Kerstin Föller. Derzeit eigne sich Western Union am besten für Überweisungen in die Türkei als auch nach Syrien. Üblicherweise fallen für Transfers Gebühren an, seit dem 8. Februar verzichtet das Unternehmen aber 30 Tage lang darauf. Ria, ein großer Konkurrent, ermöglicht derzeit nur Überweisungen in die Türkei. Wechselkursverluste können bei beiden Anbietern anfallen.

Der Transfer kann entweder über eine App, online oder in einer Filiale in Auftrag gegeben werden. Dort am Schalter brauchen Kunden einen Ausweis, eine Telefonnummer und die gleichen Daten des Empfängers. Das Geld kann entweder in bar oder per EC-Kartenzahlung an Western Union übergeben werden. Der Sender bekommt eine Kontrollnummer, mit der der Empfänger das Geld abholen kann. Hier könnte allerdings ein Problem in den Krisengebieten entstehen: Eine Hilfsorganisation berichtet, dass ihre Leute vor Ort derzeit keine Zahlungen in Empfang nehmen können, weil die Mitarbeiter der Western Union Filialen im Krisengebiet selbst unter den Folgen des Erdbebens litten und die Auszahlung nicht garantieren könnten. Auf eine Anfrage von ZEIT ONLINE hat das Unternehmen bislang nicht reagiert. Aus ähnlichen Gründen könnten vor Ort aber auch Bankfilialen geschlossen bleiben.

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Welche Alternativen gibt es, Geld in die Türkei zu senden?

Der Markt für Auslandstransaktionen wird mittlerweile von technologiegetriebenen Finanz-Start-ups aufgemischt. Die sogenannten Fintechs versuchen im Wettbewerb mit etablierten Anbietern mit geringeren Gebühren zu punkten. Am günstigsten ist die Überweisung beim US-Anbieter Remitly. Beim ersten Geldtransfer fällt keine Gebühr an. Ab dem zweiten Transfer kommen pro 100 Euro ein Euro Gebühr hinzu. Für einen Euro beträgt der Wechselkurs 20,15 türkische Lira. Ein guter Kurs, aber nicht der Bestwert. Im Beispiel erhalten Kunden für 100 Euro 2015 Lira, ab dem zweiten Mal nur noch 1.981 Lira mit Gebühr.

Der britische Anbieter Wise nimmt sofort Gebühren. Dafür wirbt er mit dem sogenannten Devisenmittelkurs, der meist vorteilhaft für Kunden ausfällt. Das funktioniert, weil Wise nach eigenen Angaben von einem türkischen Konto überweist. Bei Wise steht der Wechselkurs Euro zu türkischen Lira bei 20,21. Für 100 Euro kommen Kunden mit Gebühr auf 1.966 Lira. Wenn die Überweisung in Sekundenschnelle gehen soll, kostet es etwas mehr. Das 2012 gegründete Transfergo liegt mit einem Wechselkurs von 19,45 türkische Lira für einen Euro unter dem Wettbewerb. Beim ersten Mal erhalten Kunden für 100 Euro 1.944 Lira, ab dem zweiten Mal 1.906.

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Und was ist mit PayPal?

Der beliebte Bezahldienst ist in vielen Ländern fast schon Standard, auch in Deutschland. Für Auslandsüberweisungen hat PayPal den Ableger Xoom gegründet. Geld in die Türkei können Menschen in Deutschland damit jedoch nicht senden. Seit Mitte 2016 ist der Dienstleister nicht mehr in der Türkei zugelassen. PayPal und die türkische Regierung haben sich überworfen: Ein Gesetz verlangt, dass sich die IT-Systeme von Geldinstituten in der Türkei befinden müssen. PayPal war dazu nicht bereit, sie nutzten eine globale Zahlungsplattform. Hunderttausende türkischer Kunden seien vom Aus in der Türkei betroffen, hieß es 2016 in einer PayPal-Stellungnahme.

Die Hilfsorganisation Stelp, die derzeit in der Türkei tätig ist, berichtete von einem weiteren Problem mit PayPal. Das PayPal-Konto der NGO wurde zwischenzeitlich gesperrt, ohne dass das Unternehmen diese Sperrung begründet hat. Eine Vermutung: Spenden, bei denen die Stifter in den Verwendungszweck das Wort Syrien geschrieben hatten, wurden aufgrund der Sanktionen vom US-Bezahldienst gesondert geprüft – nach Meldungen in der PayPal-App könnte das bis zu drei Tage dauern. 

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Author: Jennifer Williams

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